19. Wachtberger Kulturwochen

Presse General-Anzeiger Bonn 08.07.2026

Kulturwochen im Drachenfelser Ländchen„Wir lieben es, Altes wieder nutzbar zu machen“

Wachtberg · Die Wachtberger Kulturwochen laden noch bis zum 19. Juli zu Kunst, Konzerten und Begegnungen im Drachenfelser Ländchen ein. Dabei öffnen auch historische Höfe ihre Tore – und verbinden Ausstellungen mit Einblicken in die Geschichte der Orte.

08.07.2026

Ute und Holger Krueger haben den alten Krueger-Hof in Arzdorf mit viel Grün in ein kleines Paradies verwandelt.
Ute und Holger Krueger haben den alten Krueger-Hof in Arzdorf mit viel Grün in ein kleines Paradies verwandelt.Foto: Thomas Kölsch

Von Thomas KölschFreier Mitarbeiter

Ausstellungen, Konzerte und mehr: Die Wachtberger Kulturwochen bieten noch bis zum 19. Juli ein abwechslungsreiches Programm. An zahlreichen Orten im Drachenfelser Ländchen locken große und kleine Veranstaltungen. Bei der Gelegenheit kann man auch einen Blick in einige historische Höfe werfen, die nicht nur Kunst zeigen, sondern auch Geschichte erlebbar machen.

Einer der ältesten ist der heutige Schmitzhof in Ließem. Urkundlich erwähnt ist er schon im 17. Jahrhundert, als die Ländereien noch dem Kloster Rolandswerth gehörten. Später wurden sie an den Freiherrn von Fürstenberg in Muffendorf übertragen, bevor dieser den Hof 1839 an Johann Schmitz verkaufte. „Die heutigen Gebäude sind von 1870“, weiß Klaus Ackermann, der mit seiner Familie seit 2011 in dem quadratischen Komplex wohnt. „Ursprünglich hatte die Gemeinde in den 60ern vor, hier alles abzureißen und die Umgehungsstraße hier durchlaufen zu lassen, aber letztlich wurde doch anders geplant. Ende der 80er hat ein Bonner Architektenbüro das Areal gekauft und saniert.“ Seitdem ist in den vier Gebäudeteilen Platz für 13 Familien. „Wir sind schon eine eingeschworene Gemeinschaft, schon allein, weil die Mittelfläche allen gehört“, so Ackermann. „Ob zum Spielen, zum Grillen oder auf ein Gläschen Wein, hier trifft man immer seine Nachbarn.“ Seit fünf Jahren beteilige sich der Schmitzhof auch bei den Wachtberger Kulturwochen. Ackermann selbst betreibt Landschaftsfotografie, doch auch Aquarelle, Schmuck und Figuren aus Treibholz werden hier angeboten.

Die Geschichte des Schmitzhofes reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück.
Die Geschichte des Schmitzhofes reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück.Foto: Thomas Kölsch

Etwas kleiner ist es im Krueger-Hof in Arzdorf, den Ute und Holger Krueger mit der Zeit in ein kleines Juwel verwandelt haben. „Ich bin im Haus gegenüber aufgewachsen und kenne diesen Ort wie meine Westentasche“, erzählt Letzterer. „Ursprünglich war das hier ein Obsthof mit Pferdestall und Plumpsklo – innen liegende Toiletten wurden ja bei alten Gebäuden erst in den 60ern installiert.“ Sie haben das Gebäude 2007 übernommen. „Uns war allerdings von Anfang an klar, dass wir hier viel Energie reinstecken müssen. Und es gibt immer wieder unerwartete Überraschungen.“ So wie tragende Balken, die sich als angefault erwiesen. Doch nach und nach haben die Kruegers den Innenhof nach ihren Vorstellungen umgestaltet, Wände eingezogen, die ursprüngliche Asphaltdecke durch Pflastersteine ersetzt und vor allem allerlei Ecken begrünt. Seit einigen Jahren öffnen Kruegers ihren Hof auch für die Öffentlichkeit. „Meine Frau hat vor ein paar Jahren die Töpferei für sich entdeckt, und inzwischen bieten wir auch befreundeten Künstlerinnen und Künstlern an, das Areal zu nutzen“, so Krueger. In diesem Jahr ist Ursula Mettbach mit Skulpturen und Malerei vertreten, während Mechthild Winkler ebenfalls auf Keramik setzt und vor allem den Konflikt zwischen Natur und urbanem Raum thematisiert.

Ira Antwerpen lebt mit ihrem Mann Reiner auf dem Obsthof Söndgen in Adendorf, den ihr Urgroßvater einst aufgebaut hat.
Ira Antwerpen lebt mit ihrem Mann Reiner auf dem Obsthof Söndgen in Adendorf, den ihr Urgroßvater einst aufgebaut hat.Foto: Thomas Kölsch

Der ehemalige Obsthof Söndgen in Adendorf ist derweil bis heute in Familienbesitz. „Mein Urgroßvater hat den Hof um 1900 erworben“, erzählt die Food-Journalistin Ira Antwerpen. „Er hat Stallungen angebaut, von denen sein Sohn in den 50ern einige wieder abreißen ließ, als er zum Obstbau überging.“ 1989 gab sein Nachfahr Anton Söndgen den Betrieb aus Altersgründen auf. Seine Kinder sanierten das Hofgebäude einige Jahre später und vermieteten es an das Künstlerehepaar Stössel, die dort unter anderem eine Malschule einrichtete. „Nach dem Tod von Uli Stössel bin ich hier eingezogen und habe kurz darauf meinen Mann kennengelernt“, führt Ira Antwerpen aus. „Wir lieben es beide, Altes wieder nutzbar zu machen, er als Schreiner und ich, wenn es um alte Koch- und Backrezepte geht.“ Eine Auswahl an Kochbüchern hat sie im Angebot; im Rahmen der Wachtberger Kulturwochen hat sie aber auch die Geschichte des Hofes zusammengefasst und alte Fotos aufbereitet. „Für uns war es selbstverständlich, dass wir Anne Stössel fragen, ob sie eine Retrospektive ihres verstorbenen Mannes kuratieren möchte – immerhin haben beide den Hof 22 Jahre lang geprägt.“ Auch Beatrix und Ludwig Kessel stellen aus, sie formen Holz mit Epoxidharz zu Tieren und anderen Figuren.

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